Spender
Name: Christian Laukamp
Age: 45
City: 48720 Rosendahl
Federal Land: Nordrhein-Westfalen
My story
Vier Jahre ist es her, dass die Firma J. W. Ostendorf in Coesfeld gemeinsam mit der Stefan-Morsch-Stiftung, der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands, ihre Mitarbeiter zur Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufrief. Ein Mitarbeiter war an Blutkrebs erkrankt und dringend auf eine Stammzelltransplantation angewiesen. Fast 240 Kollegen ließen sich als mögliche Spender registrieren, um ihrem Kollegen oder einem anderen Leukämiekranken im Kampf gegen Blutkrebs zu helfen. Unter ihnen war auch der 50-jährige Logistikmanager Christian Laukamp aus Rosendahl. Jetzt konnte er mit einer Stammzellspende einer 45-Jährigen Patientin in Italien helfen. Er möchte, dass sich mehr Menschen typisieren lassen.
Leukämie - jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an der bösartigen Blutkrankheit. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus, dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt, der die gleichen genetischen Merkmale hat, wie der Patient. Täglich sind Teams der gemeinnützigen Stiftung bundesweit unterwegs, um über das Thema Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufzuklären und Menschen als mögliche Lebensretter zu registrieren. Menschen wie Christian Laukamp.
Warum er sich typisieren ließ? „Weil ich hinter der Sache stehe, einem Menschen zu helfen. Es könnte auch mich treffen. Dann würde ich mir auch wünschen, dass ein Spender gefunden wird.“ Schon 2011 war für ihn klar, dass er spenden möchte, falls er irgendwann gebraucht wird.
Um sich registrieren zu lassen, genügt eine kleine Blut- oder Speichelprobe. So wurden auch die Gewebemerkmale des heute 50-Jährigen bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Seitdem stehen sie anonym im deutschen Zentralregister (ZKRD) in Ulm, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können.
Den erkrankten Kollegen von damals trifft Christian Laukamp häufig auf der Arbeit. Laukamp freut sich: „Ihm geht es gut, er arbeitet wieder ganz normal.“ Im Frühjahr 2015 bekommt er einen Anruf der Stefan-Morsch-Stiftung. Er ist der passende Spender für einen Blutkrebspatienten. „Ende 2013 wurde ich schon Mal für einen Patienten angefragt, aber es kam nicht zur Spende. Jetzt klappt’s vielleicht endlich mal“, hat er sich dieses Mal gedacht. „Spannend, dass ich dazu auserkoren wurde.“ Seine Familie freut sich. Auch seine Vorgesetzten unterstützten ihn: „Ich bin schon der sechste, der nach der Typisierungsaktion 2011 spendet.“
Doch zuerst muss er zur Voruntersuchung. Dabei wird zu Laukamps Sicherheit abgeklärt, ob er ganz gesund ist. Das fand er gut: „Für mich hat es was Gutes, auf den Kopf gestellt zu werden.“ Außerdem wird er genau über den Ablauf der Spende, Chancen und Risiken aufgeklärt.
Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Bei der klassischen Methode - der Knochenmarkspende – punktieren die Ärzte den Beckenknochen des Spenders – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die Entnahme von Stammzellen aus dem Blut, ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse, nennt man Apherese. Mit dieser Methode hat auch der Logistikmanager gespendet. Einige Tage vor der Entnahme musste er sich dafür einen körpereigenen Botenstoff spritzen, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Für ihn war das ein „Klacks“: „Das war unkritisch. Ich habe mich selbst gespritzt. Das war absolut erträglich.“ Nach der Spende erfährt er, dass es sich bei dem Patienten um eine 45-Jährige Frau in Italien handelt – mehr erfährt er nicht.
Dazu die Stefan-Morsch-Stiftung: „Unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen ist ein Treffen zwischen Spender und Empfänger nach Ablauf von zwei Jahren möglich, wenn beide damit einverstanden sind.“ Außerdem kann der Spender, soweit der Patient damit einverstanden ist, auch nach der Stammzelltransplantation über den Zustand des Patienten informiert werden. Aber: Leider ist die Gesetzgebung in diesem Bereich von Land zu Land verschieden und eine Kontaktaufnahme zwischen Spender und Empfänger kann nur erfolgen wenn die nationalen Gesetze der Herkunftsländer dies erlauben.
Christian Laukamp sagt direkt nach der Stammzellentnahme: „Es ist total toll, dass ich ihr helfen kann. In ein paar Wochen geht es ihr vielleicht besser. Ich hoffe, dass Sie ein normales Leben führen kann.“
Er wünscht sich, dass mehr Menschen für das Thema Typisierung und Stammzellspende sensibilisiert werden: „Für mich ist es normal und ein Muss, da zu helfen. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zur Wirkung. Jeder sollte es machen.“ #AZ


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