Studierende rufen in Trier zur Typisierung auf
25.06.2015
Roadstar der Stefan-Morsch-Stiftung ist beim Tag der offenen Tür an der Hochschule Trier - Hanna Schramm und Florian Windhäuser vom Umwelt-Campus widmeten Projektarbeit der Hilfe für Leukämie und Tumorkranke


Hanna Schramm und Florian Windhäuser, Studierende des Umwelt Campus Birkenfeld

Wie kann man Menschen davon überzeugen, sich typisieren zu lassen? Dieser Aufgabe haben sich zwei Medieninformatik-Studenten am Umwelt-Campus Birkenfeld gestellt. Der Campus ist ein Standort der Hochschule Trier, die zum wiederholten Mal eine Typisierungsaktion mit der Stefan-Morsch-Stiftung – Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke plant. Hanna Schramm und Florian Windhäuser haben im Frühjahr einen Film gedreht, der ganz konkret dazu beitragen soll, über die Chancen der Stammzellspende aufzuklären. Am Samstag, 11. Juli 2015, 11 bis 17 Uhr, beim „Tag der offenen Tür“ an der Hochschule Trier kann sich jeder gesunde junge Erwachsene als potenzieller Lebensretter registrieren lassen.


„Die Stefan-Morsch-Stiftung ist hier in der Gegend ziemlich bekannt und wir wollten unbedingt eine Organisation aus der Region unterstützen“, erzählen die beiden Studierenden aus Birkenfeld. Tim Schönborn, Dozent für Marketing, Kommunikation und Neue Medien an der Hochschule, fand die Idee „Klasse!“. Er hat selbst bereits Stammzellen gespendet und weiß deshalb, was es heißt, „durch eine Stammzellspende einem anderen Menschen an einem entscheidenden Punkt im Leben helfen zu können.“


Genau diesen Punkt haben die beiden Nachwuchs-Filmemacher in ihrer Studienaufgabe in den Mittelpunkt gerückt: Die ersten Filmszenen zeigen ein verliebtes Paar auf einer Schaukel. Doch das Auf- und Ab des Lebens lässt die junge Frau erkranken und plötzlich ist die Schaukel leer – der junge Mann alleine. Der 22-jährigen Hanna Schramm und dem 23-jährigen Florian Windhäuser war diese Szene ganz wichtig: „Leukämie kann jeden treffen!“


Bevor sie zum ersten Mal die Kamera in die Hand nahmen, haben sie viel recherchiert, waren auch in der Stefan-Morsch-Stiftung. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands, war direkt begeistert von dem Projekt: „Es ist wichtig, gerade junge Menschen über das Thema zu informieren. Dass Studierende sich ein solches Thema zu ihrer eigenen Sache machen, und das Thema aus ihrem Blickwinkel aufarbeiten, ist eine große Unterstützung!“


Mit dem Film wollten Hanna Schramm und Florian Windhäuser aber nicht nur die Krankheit thematisieren, zeigen, dass jeder helfen kann. Sie wollten Mut machen: „Es ist wichtig, dass man selber aktiv wird, sich typisieren lässt“, sagt Florian Windhäuser. Mehrere Monate haben beide neben ihrem Studium an dem Dreh gearbeitet, der künftig unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung eingesetzt wird. Sie haben das Drehbuch geschrieben, einen Zeitplan erarbeitet, die Drehorte ausgekundschaftet und ein Paar als Schauspieler gefunden: Jennifer Merkt und Daniel Frense. Auch eine Mitarbeiterin der Stefan-Morsch-Stiftung stellte sich als Sprecherin zur Verfügung: Jaqueline Forster, die normalerweise in der Spenderbetreuung arbeitet.


Die Studenten mussten aber auch die Musikrechte abklären und Genehmigungen einholen und haben bei eisiger Kälte, Wind und Regen die geplanten Szenen gedreht. Dann ging´s an den Schnitt und die Vertonung. „Es hat Spaß gemacht, war aber auch wegen des Wetters sehr stressig“, erzählen beide, die jeder Menge Zeit und Arbeit neben dem Studium in den Film investiert haben. „Als wir jetzt den Film Familie und Freunden gezeigt haben, war es spannend zu beobachten, wie die Reaktionen sind.“, erzählen die jungen Regisseure über die Vorpremiere ihre Erstlingswerks. „Mein Vater hat die Szenen mit dem Paar als Traumszenen interpretiert“, so Hanna. Sie und ihr Teampartner hoffen jetzt, dass sie mit dem Film tatsächlich Menschen überzeugen können, sich als potenzielle Lebensretter zur Verfügung zu stellen.




Am roten englischen Doppeldecker der Stefan-Morsch-Stiftung dirket vor dem Hauptgebäude kann man sich über das Thema Stammzellspende informieren.

Wer kann sich als Stammzellspender registrieren lassen? Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren aufnehmen lassen. Wer nicht älter als 40 Jahre ist, kann kostenlos typisiert werden. Gleiches gilt für Jugendliche ab 16 Jahren – vorausgesetzt die Eltern stimmen zu. Doch es gibt Ausschlusskriterien für die Stammzellspende, über die man sich vor der Typisierung informieren sollte – schwere Krankheiten und die Zahl der Schwangerschaften sind relevant.




„Typisierung“ lautet der Fachbegriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Ist der Gesundheitsfragebogen unterschrieben, wird ein Fingerhut voll Blut bzw. eine Speichelprobe abgenommen. Daraus werden die Gewebemerkmale des Spenders analysiert. Die Merkmale werden bei der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert und anonym an das deutsche Zentralregister übermittelt. So stehen sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung.




Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 - 766 77 24, info@stefan-morsch-stiftung.de.




Welchen Chancen hat ein Patient einen passenden Spender zu finden? Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation ist die weitgehende Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten Antigene) von Empfänger und Spender. Für immerhin 60 bis 70 Prozent der Leukämiekranken findet sich kein Verwandter, der als Spender in Frage kommt. So bleibt ihnen nur die Hoffnung, dass für sie ein nicht-verwandter, freiwilliger Spender gefunden wird. Bei der großen Vielfalt der Gewebemerkmale in der Bevölkerung (theoretisch gibt es mehr als 50 Millionen Kombinationen) ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Merkmale bei zwei nicht verwandten Menschen übereinstimmen, jedoch nicht sehr groß. Sie variiert von 1:1000 bis 1: mehreren Millionen. Obwohl derzeit weltweit mehr als 25 Millionen potentielle Spender registriert sind, verläuft also noch so manche Suche erfolglos.




Leukämie kann jeden treffen - Das will der Film von Hanna Schramm und Florian Windhäuser zeigen.
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