Schafflunder suchen Lebensretter für Leukämiekranke
07.06.2015

Dieter Schilling plant nach dem Leukämietod seiner Frau Lore eine Typisierungsaktion am Sonntag, 7. Juni, in Schafflund – Vereine unterstützen den Aufruf




Mit diesem Plakat wird für die Typisierungsaktion der Stefan-Morsch-Stiftung in Schafflund geworben.

„Wir sind dabei!“ Diese Antwort hört man überall, wenn in den vergangenen Wochen über den Typisierungsaufruf im Gedenken an Lore Schilling in Schafflund (Kreis Flensburg-Schleswig) gesprochen wurde. Viele Vereine, aber auch Geschäftsleute unterstützen Dieter Schilling, der nach dem Leukämietod seiner Frau im Frühjahr für Sonntag, 7. Juni, 11 bis 15 Uhr, in der Grund- und Gemeinschaftsschule die Aktion organisiert, bei der man sich als potenzieller Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen kann.




Ein Bild aus schönen Tagen: Lore und Dieter Schilling.

Egal ob Feuerwehr, Landfrauen, der Kirchenkreis, die lokalen Medien oder die Bürgermeisterin. Alle im Ort ziehen an einem Strang, wenn es darum geht, Menschen für die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke zu mobilisieren. „Zwei Bäcker werden jeweils 80 Kuchen für den Tag spenden. Ein Getränkehändler und ein Schlachter unterstützen die Aktion.“ Dieter Schilling weiß gar nicht wo er anfangen soll, all die großzügigen Hilfsangebote, die er in den vergangenen Tagen bekommen hat, aufzuzählen. Die Plakate mit Lore Schillings Bild hängen überall und in den Arztpraxen wird ebenfalls über den Aufruf informiert.


Das Bild zeigt eine herzenswarme Frau. Wenn man ihrem Mann zuhört, kann man sich vorstellen, wie fröhlich und lebendig sie gewesen sein muss – jemand mit dem man Pferde stehlen konnte, jemand auf den man sich aber auch verlassen konnte. Anfang 2015 ist Lore Schilling an Leukämie verstorben. Jetzt fehlt sie – nicht nur ihrer Familie, auch in Schafflund. Vielleicht hätte eine Stammzelltransplantation ihr Leben retten können, wenn rechtzeitig ein passender Stammzellspender gefunden worden wäre.


Ihr Mann, Dieter Schilling, will nun, dass anderen Leukämiepatienten solche „Wenns“ erspart bleiben. Er weiß, was es heißt, wenn man wochenlang mit der Frage leben muss: „Wird ein passender Stammzellspender gefunden?“ Die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei, erklärt: „Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung den Blutkrebs nicht aufhalten, ist eine Transplantation von Stammzellen die letzte Chance, das Leben zu retten.“ Dadurch bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Das ist aber nur durch die Spende eines Menschen möglich, der die gleichen genetischen Merkmale besitzt. Die meisten Patienten benötigen einen fremden Lebensretter, weil in der eigenen Familie kein passender Spender gefunden wird – so auch Lore Schilling.


Dieter Schilling hofft, dass sich viele junge Menschen angesprochen fühlen. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, dass einem Menschen das Leben gerettet werden kann. Deshalb fragt er: „Wir suchen Lebensretter! Bist Du dabei?“




Ist die Typisierung kostenlos? Die Stefan-Morsch-Stiftung setzt sich für die kostenlose Registrierung der Neuspender ein und möchte dies auch so weiterführen. Als gemeinnützige Organisation ist sie auf Spendengelder angewiesen und muss diese verantwortungsbewusst einsetzen. Statistische Auswertungen haben gezeigt, dass ältere Spender sehr viel seltener von den Ärzten als Spender ausgewählt werden, und auch Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften nur noch sehr selten als Spender angefordert werden. Diese Auswertung entspricht den aktuellen medizinischen Forschungen. Daher hat die Stiftung Kriterien zur Registrierung als Stammzellspender festgelegt, die beiden Aspekten Rechnung trägt. So ist etwa das Höchstalter für die kostenlose Registrierung auf 40 Jahre begrenzt. Gleiches gilt für Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften.


Eine Aufnahme in die Spenderdatei ist jedoch auch für diese Freiwilligen möglich. Die Stiftung bittet diesen Personenkreis, wenn er sich typisieren lassen will, um einen Beitrag in Höhe von 50 Euro zu den Typisierungskosten.


Weitere Ausschlusskriterien lassen sich auf der Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) nachlesen. Zudem gibt es eine gebührenfreie Info-Hotline 08 00 - 766 77 24.


Muss man 18 Jahre alt sein, um sich typisieren lassen? Jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren Stammzellen bzw. Knochenmark spenden. Mit dem schriftlichen Einverständnis der Eltern kann man sich bereits ab 16 Jahren typisieren lassen. Für die Spendersuche wird man erst mit Erreichen der Volljährigkeit freigeschaltet. Bevor das geschieht, wird der Spender von der Stefan-Morsch-Stiftung noch einmal angeschrieben, um das Einverständnis zu bestätigen. Die Wahrscheinlichkeit, zur Spende gebeten zu werden, ist bei einem Aufnahmealter von unter 20 Jahren zehn Mal so hoch ist wie bei einem Aufnahmealter von gut 45 Jahren, belegen die Statistiken des ZKRD.



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