Campus-Studierende drehten Typisierungs-Werbespot
12.05.2015
Hanna Schramm und Florian Windhäuser aus Birkenfeld widmeten Projektarbeit der Stefan-Morsch-Stiftung - Am 30. Mai kann sich jeder am Umwelt-Campus Birkenfeld als Stammzellspender registrieren lassen


Hanna Schramm und Florian Windhäuser beim Drehtermin vor der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei.
Wie kann man Menschen davon überzeugen, sich typisieren zu lassen? Dieser Aufgabe haben sich zwei Medieninformatik-Studenten am Umwelt-Campus Birkenfeld gestellt. Hanna Schramm und Florian Windhäuser drehten in den vergangenen Monaten einen Film, der ganz konkret dazu beitragen soll Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke zu leisten.


Leukämie kann jeden treffen: Daniel Frense und Jennifer Merkt sind die Protagonisten des Films.

„Die Stefan-Morsch-Stiftung ist hier in der Gegend ziemlich bekannt und wir wollten unbedingt eine Organisation aus der Region unterstützen“, erzählen die beiden Studierenden aus Birkenfeld. Tim Schönborn, Dozent für Marketing, Kommunikation und Neue Medien an der Hochschule, fand die Idee „Klasse!“. Er hat selbst bereits Stammzellen gespendet und weiß deshalb, was es heißt, „durch eine Stammzellspende einem anderen Menschen an einem entscheidenden Punkt im Leben helfen zu können.“


Genau diesen Punkt haben die beiden Nachwuchs-Filmemacher in ihrer Studienaufgabe in den Mittelpunkt gerückt: Die ersten Filmszenen zeigen ein verliebtes Paar auf einer Schaukel. Doch das Auf- und Ab des Lebens lässt die junge Frau erkranken und plötzlich ist die Schaukel leer – der junge Mann alleine. Der 22-jährigen Hanna Schramm und dem 23-jährigen Florian Windhäuser war diese Szene ganz wichtig: „Leukämie kann jeden treffen!“


Bevor sie zum ersten Mal die Kamera in die Hand nahmen, haben sie viel recherchiert, waren auch in der Stefan-Morsch-Stiftung. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands, war direkt begeistert von dem Projekt: „Es ist wichtig, gerade junge Menschen über das Thema zu informieren. Dass Studierende sich ein solches Thema zu ihrer eigenen Sache machen, und das Thema aus ihrem Blickwinkel aufarbeiten, ist eine große Unterstützung!“


Mit dem Film wollten Hanna Schramm und Florian Windhäuser aber nicht nur die Krankheit thematisieren, zeigen, dass jeder helfen kann. Sie wollten Mut machen: „Es ist wichtig, dass man selber aktiv wird, sich typisieren lässt“, sagt Florian Windhäuser. Mehrere Monate haben beide neben ihrem Studium an dem Dreh gearbeitet, der künftig unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung eingesetzt wird. Sie haben das Drehbuch geschrieben, einen Zeitplan erarbeitet, die Drehorte ausgekundschaftet und ein Paar als Schauspieler gefunden: Jennifer Merkt und Daniel Frense. Auch eine Mitarbeiterin der Stefan-Morsch-Stiftung stellte sich als Sprecherin zur Verfügung: Jaqueline Forster, die normalerweise in der Spenderbetreuung arbeitet.


Die Studenten mussten aber auch die Musikrechte abklären und Genehmigungen einholen und haben bei eisiger Kälte, Wind und Regen die geplanten Szenen gedreht. Dann ging´s an den Schnitt und die Vertonung. „Es hat Spaß gemacht, war aber auch wegen des Wetters sehr stressig“, erzählen beide, die jeder Menge Zeit und Arbeit neben dem Studium in den Film investiert haben. „Als wir jetzt den Film Familie und Freunden gezeigt haben, war es spannend zu beobachten, wie die Reaktionen sind.“, erzählen die jungen Regisseure über die Vorpremiere ihre Erstlingswerks. „Mein Vater hat die Szenen mit dem Paar als Traumszenen interpretiert“, so Hanna. Sie und und ihr Teampartner hoffen jetzt, dass sie mit dem Film tatsächlich Menschen überzeugen können, sich als potenzielle Lebensretter zur Verfügung zu stellen.


Der Link zum Video: 


Die nächste Gelegenheit sich typisieren zu lassen ist:


30. Mai 2015, 11 bis 17 Uhr, Tag der offenen Tür am Umwelt-Campus Birkenfeld, Campusallee 




Wir suchen Lebenretter beim tag der offenen Tür am Umwelt-Campus Birkenfeld.

Wer kann sich als Stammzellspender registrieren lassen? Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren aufnehmen lassen. Wer nicht älter als 40 Jahre ist, kann kostenlos typisiert werden. Gleiches gilt für Jugendliche ab 16 Jahren – vorausgesetzt die Eltern stimmen zu. Doch es gibt Ausschlusskriterien für die Stammzellspende, über die man sich vor der Typisierung informieren sollte – schwere Krankheiten und die Zahl der Schwangerschaften sind relevant.


„Typisierung“ lautet der Fachbegriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Ist der Gesundheitsfragebogen unterschrieben, wird ein Fingerhut voll Blut bzw. eine Speichelprobe abgenommen. Daraus werden die Gewebemerkmale des Spenders analysiert. Die Merkmale werden bei der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert und anonym an das deutsche Zentralregister übermittelt. So stehen sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung.


Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 - 766 77 24, info@stefan-morsch-stiftung.de.


Können Stammzellspender den Patienten kennenlernen? Unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen ist ein Treffen zwischen Spender und Empfänger nach Ablauf von zwei Jahren möglich, wenn beide damit einverstanden sind. Außerdem kann der Spender, soweit der Patient damit einverstanden ist, auch nach der Stammzelltransplantation über den Zustand des Patienten informiert werden. Aber: Leider ist die Gesetzgebung in diesem Bereich von Land zu Land verschieden und eine Kontaktaufnahme zwischen Spender und Empfänger kann nur erfolgen wenn die nationalen Gesetze der Herkunftsländer dies erlauben. In vielen Ländern ist die Kontaktaufnahme aber nach wie vor erlaubt, unter anderem auch in Deutschland und den USA. 


Welchen Chancen hat ein Patient einen passenden Spender zu finden? Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation ist die weitgehende Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten Antigene) von Empfänger und Spender. Für immerhin 60 bis 70 Prozent der Leukämiekranken findet sich kein Verwandter, der als Spender in Frage kommt. So bleibt ihnen nur die Hoffnung, dass für sie ein nicht-verwandter, freiwilliger Spender gefunden wird. Bei der großen Vielfalt der Gewebemerkmale in der Bevölkerung (theoretisch gibt es mehr als 50 Millionen Kombinationen) ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Merkmale bei zwei nicht verwandten Menschen übereinstimmen, jedoch nicht sehr groß. Sie variiert von 1:1000 bis 1:mehreren Millionen. Obwohl derzeit weltweit mehr als 25 Millionen potentielle Spender registriert sind, verläuft also noch so manche Suche erfolglos.



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