Stefan-Morsch-Stiftung verjüngt die Hilfe für Leukämiekranke
17.02.2015
Älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands zieht eine Bilanz des Jahres 2014 – Schulen und Sportvereine unterstützen den Kampf gegen Blutkrebs


„Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke ist Teamarbeit“, wer weiß das besser als die Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung. Seit fast 30 Jahren arbeitet die gemeinnützige Organisation daran, Menschen über das Thema Stammzell- und Knochenmarkspende aufzuklären. So konnte die Stiftung 2014 mehr als 30 000 Menschen in ganz Deutschland dafür gewinnen, sich als potenzielle Lebensretter registrieren zu lassen. Damit haben sich seit der Gründung mehr als eine halbe Million Menschen in die älteste Stammzellspenderdatei aufnehmen lassen. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender: „Ein Erfolg, der ohne Kooperationspartner nicht möglich wäre.“




Wenn Kinder Ende der 70er-Jahre an Leukämie erkrankten, dann war das statistisch gesehen für mehr als die Hälfte das Todesurteil. Es gab nur für viele Eltern leukämiekranker Kinder den ärztlichen Rat: „Nehmen Sie Ihr Kind mit nach Hause. Es wird sterben!“ Emil Morsch, Gründer der nach seinem Sohn benannten Stiftung mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld, hat diese Zeit miterlebt: „Heute liegt nach Recherchen des deutschen Ärzteblattes die 5-Jahres-Überlebensrate von Kindern mit akuter lymphoblastischen Leukämie in Deutschland bei über 90 Prozent.“ 


Angefangen haben er und seine 2014 verstorbene Frau Hiltrud vor nunmehr 30 Jahren im eigenen Wohnzimmer - mit der Beratung von Leukämiepatienten. Dann gründeten sie die erste deutsche Stammzellspenderdatei. Es folgten das eigene Labor, um die Blutproben kostengünstig und effizient auf ihre Gewebemerkmale untersuchen zu können, und eine Knochenmarktransplantationseinheit am Idar-Obersteiner Klinikum, weil es an Transplantationsplätzen mangelte. Inzwischen hat die Stiftung nahezu eine halbe Million Menschen typisiert und mehr als 5000 Spender vermittelt. In Berlin, Flensburg und Tübingen werden Transplantationszentren unter dem Namen „Stefan-Morsch-Station“ geführt.


2014 wurden mehr als 600 Stammzellspender aus der Birkenfelder Datei vermittelt. Mehr als 1000 Typisierungsaktionen bundesweit organisiert. 30 000 Spender sind neu registriert worden. „Das sind vor allem junge Spender“, erklärt Emil Morsch stolz. Warum das so wichtig ist, belegen medizinische Fakten: Zwei Drittel der 2014 ausgewählten Spender in der Datei waren jünger als 40 Jahre (Stand: 01-2015). Denn die Transplanteure wissen, dass sich mit zunehmendem Alter die Zellteilung verlangsamt und die Beschwerden bei den potenziellen Spendern zunehmen. Morsch beschreibt die Auswahlkriterien der Ärzte wie folgt: „Jung vor alt, Mann vor Frau. Dabei sind gerade Mütter hoch motiviert, wenn es darum geht, einem an Leukämie erkrankten Menschen, das Leben zu retten. Aber der Anteil der tatsächlich ausgewählten Spenderinnen an der Gesamtzahl der Spender liegt bei etwa 15 Prozent.“


Nichtsdestotrotz hat die Stefan-Morsch-Stiftung bereits vor Jahren auf diese Hinweise von Transplantationskliniken reagiert: Durch die Kooperation mit der Bundeswehr, mit Schulen, mit verschiedensten Sportvereinen und Verbänden, aber auch dem DRK Blutspendedienst West hat sich das Durchschnittsalter der in der Datei registrierten Spender gesenkt. Und während noch vor fünf Jahren der Frauenanteil unter den typisierten Spendern bei 55 Prozent lag, ist er jetzt bei 47,5 Prozent.


Emil Morsch sieht, dass sich dieser Trend fortsetzt: „In den vergangenen Monaten haben sich viele Sportvereine gemeldet, die uns gerne unterstützen. Dass gerade fitte gesunde Sportler sich für Menschen engagieren, die schwer erkrankt sind, findet meinen tiefen Respekt.“




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