Birkenfelder Gymnasiasten suchen Lebensretter für Leukämiekranke
05.02.2015
Schüler organisieren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke – Typisierungsaktion in der Oberstufe


2012 hatte eine Projektgruppe am Gymnasium sich mit der Arbeit der Stefan-Morsch-Stiftung beschäftigt.
Wie sieht ein Lebensretter aus? Fragt man Kinder, sagen die meisten: „Groß, stark, mit vielen Muskeln“ Am Gymnasium Birkenfeld haben die Oberstufen-Schüler seit dieser Woche eine genauere Vorstellung. Denn nach einem Info-Vortrag planen sie und ihre Biologie-Lehrerin Kerstin Wolf zusammen mit der Stefan-Morsch-Stiftung eine Typisierungsaktion. Sie wollen Mitschüler ab 16 Jahren dazu motivieren, sich am Donnerstag, 12. Februar, als potenzielle Lebensretter für an Leukämie erkrankte Menschen registrieren zu lassen.


Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei will junge Menschen über die Stammzellspende informieren.

Das Gymnasium bringt seit Jahren immer wieder Biologie-Klassen in die Stefan-Morsch-Stiftung, um ihnen die Grundzüge der Molekularbiologie an einem lebensnahen Beispiel zu verdeutlichen. Die gemeinnützige Stiftung öffnet gerne die eigenen Türen, damit Schüler und Studenten in der Praxis erleben können, dass Genetik kein trockener Stoff ist. Hier können Schüler und Studenten sehen, dass die HLA-Analyse ein wichtiger Baustein des Netzwerkes ist, das tagtäglich weltweit Leben rettet. Mit Unterstützung der Mitarbeiter durften die Schüler in den vergangenen Jahren im Labor des Haues praktische Übungen mit Pipette und der Analyse von genetischen Gewebemerkmalen machen.


Jetzt hat das Gymnasium die Stiftung in die Schule eingeladen, um ganz konkret Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke zu leisten. Denn die Schüler wissen: Je mehr Menschen mit ihren Gewebemerkmalen in der Datei erfasst sind, desto größer sind die Chancen für einen Erkrankten, darunter den geeigneten Spender zu finden – einen genetischen Zwilling.


Deshalb organisiert die nach einem ehemaligen Schüler des Gymnasiums benannte Stiftung deutschlandweit so genannte „Typisierungsaktionen“: 2014 waren es mehr als 1000. Dabei konnten mehr als 30 000 neue, potenzielle Stammzellspender geworben werden. Ihnen wurden wenige Milliliter Blut abgenommen, die dann im Labor der Stiftung auf ihre Gewebemerkmale untersucht wurden. Diese Daten sind nun anonym in das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingespeist. 27 Dateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung – tragen die Daten der Spender dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen. Mit jedem neu gewonnen Spender erhöht sich also die Chance, dass Menschen mit dieser meist todbringenden Krankheit geholfen werden kann.


Kerstin Wolf hofft, dass der Aufruf große Wirkung zeigt. Bei der Stefan-Morsch-Stiftung weiß man: „Die Wahrscheinlichkeit, zur Spende gebeten zu werden, ist bei einem Aufnahmealter von unter 20 Jahren zehn Mal so hoch wie bei einem über 45 Jährigen.“ Das lässt sich statistisch belegen: Zwei Drittel der 600 in 2014 angefragten Spender der Datei waren jünger als 40 Jahre (Stand: 01-2015).



Wer kann sich als Stammzellspender registrieren lassen? Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren aufnehmen lassen. Wer nicht älter als 40 Jahre ist, kann kostenlos typisiert werden. Gleiches gilt für Jugendliche ab 16 Jahren – vorausgesetzt die Eltern stimmen zu. Doch es gibt Ausschlusskriterien für die Stammzellspende, über die man sich vor der Typisierung informieren sollte – schwere Krankheiten und die Zahl der Schwangerschaften sind relevant.


Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 - 766 77 24, info@stefan-morsch-stiftung.de.


Wie funktioniert eine Stammzellspende? Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen, gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.


Warum brauchen die Stammzellspenderdateien immer neue Spender? Die Chancen, für einen an Leukämie erkrankten Patienten innerhalb der eigenen Familie einen passenden Spender zu finden, sind recht gering: Nur bei etwa 30 Prozent der Erkrankten erweist sich ein naher Verwandter als geeigneter Spender. Ein Grund hierfür liegt im Erbgang der für die Transplantation wichtigen Gewebemerkmale und im demografischen Wandel. Bei der großen Vielfalt der Gewebemerkmale in der Bevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Merkmale bei zwei nicht verwandten Menschen übereinstimmen, jedoch nicht sehr groß. Sie variiert von 1: 10.000 bis 1: mehreren Millionen. Trotz der hohen Zahl potenzieller Spender, verläuft also noch so manche Suche erfolglos. Erschwerend kommt hinzu, dass das Durchschnittsalter in vielen deutschen Dateien sehr hoch ist, was zur Folge haben wird, dass in den nächsten Jahren viele tausende Spender altersbedingt gelöscht werden müssen.



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