Ilaydas Vater ruft zur Hilfe für Leukämiekranke auf
02.11.2012
Typisierungsaktionen in Nürnberg und Stuttgart


Ilayda ist sechs Jahre alt: Sie lebt in Singen am Rande des Bodensees. Auf allen Fotos lacht das kleine Mädchen – sogar auf den Bildern, auf denen sie keine braunen Locken mehr hat. Ilayda hat Blutkrebs. Seit Monaten tun ihre Eltern, Verwandte, Freunde, aber auch wildfremde Menschen alles dafür, um Ilayda eine Zukunft zu schenken. Denn Ilayda braucht wahrscheinlich – wie viele andere Leukämiepatienten – eine Stammzelltransplantation. Jetzt haben sich die Eltern an die Stefan-Morsch-Stiftung gewandt, um noch einmal gemeinsam auf die Suche nach Lebensrettern für Leukämie und Tumorkranke zu gehen: Wer Menschen wie Ilayda und ihrer Familie helfen will, krempelt die Ärmel hoch und lässt sich einen Fingerhut voll Blut abnehmen - am 25. November, 13 bis 18 Uhr, im Immanuel-Kant-Gymnasium, Mühlenweg 15, Tuttlingen und zeitlich in Lauchringen, 13 bis 17 Uhr. Weitere Typisierungen finden am 9. Dezember in Nürnberg und am 16. Dezember in Stuttgart statt (siehe unten). Ein Fingerhut voll Blut genügt, um sich beim Team der Lebensretter einzutragen.

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung für eine „Typisierung“ – eine Registrierung in der Spenderdatei. Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym dem Zentralregister in Ulm (ZKRD) übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann. Der Aufruf für Ilayda kommt also allen Leukämie- und Tumorkranken zu Gute, denn die Stefan-Morsch-Stiftung ist Teil eines Netzwerkes, das Menschen mit Leukämie weltweit hilft. Das wissen auch die kleine Ilayda und ihre Familie: „Wir kämpfen für Ilayda und all die Familien, die in der gleichen Situation sind wie wir“, sagt der Vater und macht sich dafür stark, dass das Team der Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung immer größer wird .


„Typisierung“ lautet der Fachbergriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren registrieren lassen. “Das Höchstalter für eine Neuaufnahme haben wir für unsere Datei auf 50 Jahre festgelegt, da wir wissen, dass Spender, die älter als 50 Jahre sind nicht mehr, oder nur noch sehr selten von den Transplantationszentren als Spender angefordert werden, wenn mehrere Spender zur Verfügung stehen“, so die Sprecherin der Stefan-Morsch-Stiftung, Andrea Djifroudi. Außerdem nehmen Erkrankungen und Beschwerden ab diesem Alter zu. Frauen, die mehr als zwei Schwangerschaften (auch Fehlgeburten zählen dazu) hatten, sollten nicht in die Datei aufgenommen werden. Denn im Rahmen von Schwangerschaften können Antikörper gebildet werden, die nach heutigem Kenntnisstand den Transplantationserfolg gefährden können. Das Transplantationszentrum fordert deshalb, sofern ein anderer Spender zur Verfügung steht, zumeist Spenderinnen nicht an, die mehrere Schwangerschaften hatten. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen für andere Spender gerne entgegen genommen – da jede Blutanalyse mindestens 50 Euro kostet.


Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation ist die weitgehende Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten Antigene) von Empfänger und Spender. Für immerhin 60 bis 70 Prozent der Leukämiekranken findet sich kein Verwandter, der als Spender in Frage kommt. So bleibt ihnen nur die Hoffnung, dass für sie ein nicht-verwandter, freiwilliger Spender gefunden wird. Bei der großen Vielfalt der Gewebemerkmale in der Bevölkerung (theoretisch gibt es mehr als 50 Millionen Kombinationen) ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Merkmale bei zwei nicht verwandten Menschen übereinstimmen, jedoch nicht sehr groß. Sie variiert von 1:1000 bis 1: mehreren Millionen. Obwohl derzeit weltweit mehr als 20 Millionen potentielle Spender registriert sind, verläuft also noch so manche Suche erfolglos. Ilaydas Eltern sind in Deutschland geboren, haben ihre Wurzeln in der Türkei. Ihr Aufruf „Wir für Ilayda“ hat rund um den Bodensee und weit darüber hinaus eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst: Alt und Jung, Alteingesessene und Neuzugezogene, Bäckermeister und Mediziner – alle haben ein Ziel: Leben retten. In einem Video, in dem Ilaydas Eltern zur Typisierung aufrufen heißt es: „Ein Leben kann man nicht lenken.“ Aber jeder kann etwas dafür tun, dass Leukämiekranke eine Chance auf leben bekommen. Stammzellspende rettet Leben.



Wann und wo kann ich Stammzellspender werden? 


Sonntag, 9. Dezember 2012, 12 bis 18 Uhr,Grund- und Mittelschule Insel Schütt, Hintere Insel Schütt 5, Nürnberg


Sonntag, 16. Dezember, 12 Uhr, Universität Stuttgart, Cafeteria K1, Kepplerstrasse 11, Stuttgart


 Die aktuellen Termine der Stefan-Morsch-Stiftung stehen auf unserer Homepage (www.stefan-morsch-Stiftung.de). Zudem gibt es die Möglichkeit sich auch Online registrieren zu lassen. Über die Rubrik "Informationen für Stammzellspender" auf der Homepage, kann man die Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Päckchen zuschicken lassen. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine Blutprobe entnehmen zu lassen. Dieses Päckchen kann man dann an die Stefan-Morsch-Stiftung zurücksenden. Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihr Interesse.




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